Freitag, 16.06.2006
Was soll ich lange meckern, schon wieder so früh aufgestanden. Wir hatten beschlossen, heute am letzten Tag unserer Polenreise noch mal die schönsten Strecken zu fahren. Allerdings ging die Fahrt durch tschechisches Gebiet, da hier doch die Straßen wesentlich besser als in Polen waren. Da Mario mit Edith einige kleine Straßen erkundet hatten, die wir anderen noch nicht kannten, führte Mario heute die Truppe, aber mit der Maßgabe, dass wir gegen 15:00 h wieder in der Pension sein sollten. Von wegen packen, noch Geschenke einkaufen usw.
Und tatsächlich, Mario führte uns über Straßen, die wir noch nicht gefahren waren. So landeten wir gegen 11:00 h in Benecko. Dieses Örtchen liegt hoch im Riesengebirge. Die Straße dorthin ist sehr klein, aber mit gutem Belag und führt durch dichten Wald entlang eines kleinen Flüsschens immer weiter bergauf. Als wir in Benecko ankamen trauten wir unseren Augen nicht. Hier scheint im Winter der Bär zu steppen. Einige große Hotels, sogar eine Discothek und diverse Andenkenläden tauchten plötzlich auf. Auch ein großer Parkplatz war vorhanden. Wir gingen zu einem dieser Hotels und mussten feststellen, geschlossen.
 Aber ein, ja was war das, Andenkenladen vielleicht, hatte Tische, Stühle und Sonnenschirme vor dem Laden und hier machten wir dann Pause. Ich weis nicht mehr wer, aber jemand hatte sich einen Eisbecher „Pohar Snehur“ bestellt, was zur allgemeinen Erheiterung beitrug. Denn diverse Wortspiele folgten und so entstand dann; die Schneehure hat Haar am Po! Aber trotz dem Gelächter wegen der Schneehure merkte ich, dass die Stimmung vom Gedanken, morgen geht es nach Hause geprägt war.
Wir fuhren weiter und machten Mittagspause an dem Restaurant, welches wir schon Sonntag und Montag aufgesucht hatten. Als wir hier nach der Pause weiterfahren wollten, suchte ich mein Halstuch. Es ist ein „Borussia Mönchengladbach“ Tuch und ich nervte meine Mitfahrer schon die ganze Woche damit, ob sie schon mein neues Tuch gesehen hätten. Ich konnte mir denken, entweder Erwin oder Mario. Ich ging zu Erwin und der versicherte mir, er hätte es nicht. Mario, bekennender FC Köln Fan und Mitglied dieses für Gladbach rheinischen Rivalen verneintet auch, das Tuch genommen zu haben. Ich dachte mir, nun ja, irgendwann wird mir mein Tuch ja doch zurück gegeben. Kurz bevor wir dann losfuhren, sah ich, dass Mario das Tuch an seiner Gepäckbrücke befestigt hatte, genau vor dem Auspuff. Ich fuhr zu ihm und als ich ihn fast erreicht hatte, gab er Gas. Als wir die Grenzstation erreicht hatten, standen wir schön aufgereiht hintereinander und warteten die Zollformalitäten ab. Mario als Erster der Gruppe und ich ganz hinten. Als ich nun endlich meinen Paß vorzeigen durfte, sah ich wie Mario schon von seiner BMW abgestiegen war, auf den Rest der Gruppe wartete und genussvoll mit meinem Gladbachschal die Scheibe seines verdreckten Bikes putzte. Zu seiner Ehrenrettung muß ich allerdings sagen, er tat nur so, als würde er putzen.
 Unser zeitliches Ziel, um 15:00 h wieder in unserer Unterkunft zu sein verschob sich um eine Stunde nach hinten. Die Damen gingen einkaufen. Erwin und King verluden, unter Mithilfe von einigen anderen ihre Mopeds auf die Hänger.
Nach dem Abendessen überreichte ich unseren Gastgebern noch unsere fast obligatorische Urkunde. Dabei stellte sich heraus, dass ich auf die Urkunde den falschen Namen geschrieben hatte. Es war immer von einem Gregor Rojek die Rede, der aber war Inhaber des Hotels und weilte in Aachen, ganz in unserer Heimatnähe. Die Geschäfte hier in Polen führte seine Schwägerin mit ihrem Mann. Ja macht ja nix, Urkunde ist Urkunde und ich hörte später, dass die Wirtin ihren Schwager anrief und ihm die Urkunde vorlas. War also nicht so schlimm.
Dann machten sich sieben von uns zur Sommerrodelbahn auf. Man wird im Abstand von ca. 100 m in einem Schlitten bergauf geschleppt. Oben angekommen fährt man über eine Kuppe und abwärts geht’s. Als wir nach rasanter Fahrt und am Starthaus wieder versammelt hatten, schlug ich vor, doch alle zusammen in einem 7-er Bob zu fahren. „Wie soll das denn gehen?“ „Na, der erste bremst hinter der Kuppe und wartet bis die anderen dran sind!“ Gesagt getan, Monika war als Erste unterwegs und 50 Meter hinter der Kuppe hatte sie ihren Schlitten zum stehen gebracht. Wir schlossen auf und standen nun auf dem schon abschüssigen Teil der Bahn. Man konnte des Schlitten durch nach hinten ziehen der rechts und links angebrachten Hebel abbremsen. Wenn man die Hebel nach vorne drückte, dann lief die Karre. Irgendjemand brüllte „Los“ und die Hebel wurden nach vorne gedrückt und die tolle 7-er Bobfahrt begann. Hat so einen großen Spaß gemacht, dass wir das Ganze noch mal wiederholten. Erwin fotografierte das Ereignis von der Terrasse aus. Eigentlich wollten wir noch eine dritte Fahrt machen, aber was war das? Ein Gewitter zog von Westen auf. Die ersten Regentropfen hatten uns schon auf der Rodelbahn belästigt. Sollte tatsächlich unsere morgige Heimfahrt im Regen stattfinden. Die ganze Woche über war doch so ein tolles Wetter gewesen. Aber das wäre für uns nichts Neues, denn bei all unseren Touren (16 Stück an der Zahl) hatten wir nur 1997 das Glück, keinen Regen abzubekommen. Meistens regnete auf der Rückfahrt, schon komisch.
Am Abend landeten wir in einer Art Hütte, ganz in der Nähe der Rodelbahn und damit auch in der Nähe unserer Unterkunft.
 Es wurde so ein richtig schöner, uriger Abend. Während wir in der Hütte saßen ging ein gewaltiges Gewitter nieder, mit dem Resultat, dass zeitweise die Stromversorgung unterbrochen war. Überall gingen die Lichter aus. Aber die Leutchen von der Hütte schienen offensichtlich damit gerechnet zu haben und stellten sofort Kerzen auf. Mit der genügend Menge Bier im Schädel –Motorradfahren wäre nun wirklich nicht mehr drin gewesen- verschlug es uns dann zu letzten Mal in unsere polnischen Betten.
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