Sonntag, 11. Juni 2006
Der Sonntag fing schon gut, speziell für mich, an. Unsere Wirtin hatte uns am Vorabend gesagt, dass wir erst gegen 09:30 h Frühstück haben könnten, weil noch eine polnische Reisegruppe vor uns wäre. Ich glaube, ich war der Einzige, dem das so richtig in den Kram passte. Lange Schlafen – prima. Allerdings Jöckel, Guido und Olaf war der lange Schlaf auch sehr recht, sie kamen nämlich erst im Hellen von der "Zechtour" am Samstagabend zurück in die Pension, wie sich später herausstellen sollte.
Also dann, um halb zehn wurde gefrühstückt und danach wurde die Tour „Spindler Mühle“ unter die Räder genommen. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass ich während des Frühstücks allen gesagt hatte, dass sie ihre Ausweise mitnehmen müssen, da wir ja von Polen in die Tschechei fuhren. Aber zuerst einmal fuhren wir in unserem Urlaubsort Karpacz an die Tankstelle. Und hier stellte sich heraus, dass Mario und Edith ihre Ausweise in der Pension gelassen hatten. „Fahrt schon mal vor, wir kommen nach“ sagte Mario und entschwand unseren Blicken.
Jetzt endlich ging’s los. Ich hatte, wie immer, die Streckenführung aufgeschrieben und mir eine Karte kopiert. Über schöne Nebenstraßen verließen wir Karpacz und fuhren durch einen dichten Wald. Die Straße hatte einen guten Belag. Es folgte ein kleiner Ort, die Straße wurde schlechter und schon kurze Zeit später standen wir in der Gegend rum, es ging nicht mehr weiter, die Straße war gesperrt. Jöckel meinte: „Das kann Dir hier öfters passieren, plötzlich ist die Straße weg!“ Ja Scheiße, erst ein paar Kilometer gefahren und schon verfahren. Das begann ja toll! Aber irgendwie fanden wir dann doch die Straße nach Piechowice und weiter nach Szklarska Poreba. Wir fuhren ständig bergauf bis zur Zollstelle auf ca. 900 Meter. Die Zollkontrolle war umfangreich, jeder musste seinen Paß vorzeigen.
Hier auf der Höhe des Riesengebirges tschechischer Seite ist das Wintersportgebiet um Harrachov. Man konnte die große Skiflugschanze gelb im Wald leuchten sehen. Rechter Hand der Straße war die Biathlonanlage. Auf sehr gutem Straßenbelag ging es wieder bergab. Am folgenden Abzweig der B 14 von der B 10 war eine Tankstelle und ein Restaurant. Ich setzte den Blinker nach links und fuhr das Restaurant an.
In einem sehr schönen Biergarten nahmen wir Platz und machten unsere erste Pause. Natürlich Kaffee, Cappuccino, Kakao mit Sahne! Die Bedienung, ein Herr so um die 50, war sehr freundlich.
 Alles in allem machte dieses Restaurant einen sehr sauberen und gepflegten Eindruck. Während wir es uns gut gehen ließen, sahen wir Mario und Edith auf der B 10 an uns vorbeifahren. Alles Winken und Brüllen half nichts, sie hatten uns nicht bemerkt. Na ja, hatten sie Pech gehabt.
Nach unserer Pause ging es dann die 14 runter nach Vrchlabi, früher hieß der Ort Hohenelbe. Ein Straße wie gemacht zum Mopedfahren. Zu vergleichen mit unseren schönen Eifelstraßen. Immer an einem Fluß bergab entlang. In Vrchlabi links ab und die 14 Kilometer hinauf zur Spindler Mühle. Man sah schon an den Reklameschildern, dass hier Wintersport die Haupteinnahmequelle ist. Überall Hinweise auf Skischulen, Skiverleih und sonstige wintersportliche Angebote. Vor dem Ort Spindler Mühle ist ein riesiger Parkplatz. Hier scheint im Winter der Bär zu steppen. Wir fuhren durch den Ort weiter und wollten bis zur Grenze, oben am Kamm des Riesengebirges fahren. Aber ein Mauthäuschen mit Schranke über der Straße versperrte uns den Weg. Kurze Beratung, wollen wir gegen eine Mautzahlung weiterfahren oder nicht? Der Ausspruch von Erwin, unserem Kassenwart machte die Entscheidung einfach: „ Das übernimmt die Kasse“ waren seine erlösenden Worte. Er also ins Häuschen und kam mit einem langen Gesicht wieder raus. „Die nehmen keine Euros, der will Kronen haben. Hat jemand Kronen dabei?“ Allgemeines betretendes auf den Boden schauen.
Was nun? Jöckel meinte, dass sich Erwin hinter ihm auf seine BMW setzen solle. „Wir müssen zurück zum Ort fahren und dort die Euros in Kronen tauschen. Außerdem kannst Du mal sehn wie gut man auf einer BMW fährt,“ sprach’s und die Beiden waren weg. Der Rest der Gruppe machte es sich auf der angrenzenden Wiese, die übersäht war mit gelben Blümchen, gemütlich. Es dauerte doch einige Zeit, bis die Beiden wieder zurück kamen. Während der Wartezeit flochte Maeggie aus Blumen einen Kranz, den sie dann Olaf auf sein Haupt setzte. Erwin erzählte, dass er den „Wechselmenschen“ um Kronen fragte, der aber sagte, er habe Mittagspause. Also sind sie zu einer anderen Wechselstube gefahren und konnten da unsere schönen Euros in Kronen tauschen.
Nachdem unser Erwin die Zahlungsformalitäten erledigt hatte, konnten wir endlich die durch den Wald führende Mautstraße, dem Spindler Paß, hoch zur Grenze fahren. Die Vegetation ähnelte, je höher wir kamen, stark an die Alpen. Nur ist hier die Baumgrenze viel niedriger. Oben angekommen, ein riesiger Parkplatz und ein paar größere Hotels. Wir stellten die Maschinen ab und schlenderten zur Grenze. Diese wurde von 2 Polizisten oder Zöllnern, die in einem Geländewagen saßen, bewacht. Aber man konnte ungehindert spazieren gehen. Von hier oben war freier Blick nach Polen. Unten vor uns lag Karpacz. Der Spindlerpaß führte von hier oben aus zu unserem Ferienort. Leider ist er gesperrt. Wäre bestimmt eine schöne Strecken zum fahren gewesen. Aber das wussten wir schon von Jöckel, der schon einmal mit seiner Frau hier gewesen war.
Nach ca. einer halben Stunde machten wir uns wieder auf den Weg hinunter zur Spindler Mühle. Verfolgt von vielen, vielen bewundernden Blicken der Bustouristen, die hier oben waren. Eine so große Motorradgruppe schien hier in der Gegend selten zu sein. Außerdem machte mein „Irokese“ auf dem Helm natürlich zusätzlich Eindruck. Dazu kam noch, dass ich vorne als Erster eine rote Warnweste trug und Jöckel als Letzter eine Gelbe.
 Im Ort angekommen, es war es jetzt um die 15:00 h, suchte ich natürlich nach einem Cafè. Wir mussten ja was zu uns nehmen. Bald war die Lokalität gefunden und wir machten uns auf der Terrasse bei herrlichem Sonnenschein breit. Immer wieder wurden unsere Motorräder von den Touristen bestaunt. Und siehe da, nach ungefähr einer halben Stunde kamen auch Mario und Edith.
Die Weiterfahrt führte uns immer entlang der Elbe bis Vrchlabi, dann über sehr schöne Nebenstraßen und über die B 252 hinauf zum Grenzübergang Richtung Kowary in Polen. Auch hier oben am Zoll wurden unsere Pässe genau kontrolliert. Der tschechische Zöllner schaute etwas irritiert auf meinen „Irokesen“, konnte sich aber dann ein freundliches Lächeln nicht verkneifen. Unmittelbar hinter der Grenze noch eine kleine Zigarettenpause und dann ging es weiter. Über eine gut ausgebaute, kurvige Straße ging es hinab nach Kowary. Hier wurde die Straße schlechter, aber wir waren ja fast schon „zu Hause“. In Kowary noch schnell die Mopeds für den nächsten Tag wieder aufgetankt und nach weiteren 8 Kilometern waren wir an unserer Pension.
Wie sich das schon auf den vorherigen Jahrestouren eingebürgert hatte, Mopeds in die Garage, auf die Terrasse, aus den Klamotten und das erste Bier des Tages genossen. Unsere Gastgeber hatten das perfekt im Griff, sobald sie unsere Kräder hörten, kam der Mann runter, öffnete die Garagen und seine Frau holte derweil das Bier aus dem Kühlschrank und stellte es für uns bereit. Perfektes Timing.
Um 19:00 h gab es dann wieder polnisches, sehr schmackhaftes Abendessen.
Unsere Pension lag in unmittelbarer Nähe einer Sommerrodelbahn. Das ließen wir uns natürlich nicht nehmen. Ich weiß nicht mehr, wer alles, aber so 6-7 Leute von uns haben die Schlitten unter den Hinter genommen und wurden bergauf geschleppt. Die Rodelbahn ist so eine moderne Bahn, bei der man nicht mehr mit dem Schlitten aus der Kurve fliegen kann, System Achterbahn. Die Fahrt kostete pro Person 5 Zloty. Nach der ersten Fahrt wurde beschlossen, das Ganze noch mal zu machen. Marlies meinte, wir beiden sollten eine Zwangsehe eingehen, denn eine Zweierkarte kostete nur 8 Zloty. Gesagt getan, wir noch mal die Bahn gefahren. Machte schon Spaß, denn bei der zweiten Fahrt war klar, man brauchte nicht zu bremsen. Einziges Problem war die Fliehkraft in den Kurven, hier musste man sich kräftig in den Schalensitz drücken.
 Nachdem wir die zweite Fahrt beendet hatten, gingen wir alle, also auch die Nichtrodler, ins Städtchen. Bald fanden wir so eine Art Kneipe, welche mittels Beamer das Spiel Angola gg. Portugal auf eine Leinwand projiziert. „Hier bleiben wir“ war die allgemeine Meinung. Die Fußballweltmeisterschaft ist überall!
An diesem Abend wurde es noch spät, das für mich viele Bier hinterließ erste Wirkungen und gegen Mitternacht erreichten wir mehr oder weniger schwankend unsere Unterkunft.
|