Samstag, 10.06.2006
Heute wurde nun die 2. Etappe unserer Hinfahrt in Angriff genommen. Schon um 08:00 h starteten wir wieder in 2 Gruppen, Mario, Edith und Guido auf der einen Seite, Jöckel, Olaf, Marlies, Wolfgang und Monika, Manni und meine Wenigkeit auf der anderen Seite. Wir fuhren südlich an Coburg auf der B 303 in den Thüringer Wald bis auf die Höhe nach Bad Lobenstein. Um 10:00 h saßen wir auf dem Marktplatz und ließen uns den ersten Kaffee, Cappuccino oder Kakao schmecken. Es war wieder bestes Wetter. Bad Lobenstein hat sich gemausert. Wir hatten 1993 eine Thüringentour gefahren und Lobenstein war ein Drecksloch. Vielleicht auch deshalb, weil alles im Umbau begriffen war. Aber heute nicht mehr wieder zu erkennen. Ne schöne kleine Stadt! Von hier aus fuhren wir dann über Landstraßen weiter bis zur Autobahn in der Nähe von Plauen. Kurz bevor wir auf die Bahn wechselten, hielt ich an. Ich musste mein Tacho fotografieren, es stand jetzt auf 99.929,5 km. Wer das liest und mich nicht kennt, meint jetzt ich würde meine 100.000 km voll machen, weit gefehlt, ich stand kurz davor, dass meine Kawasaki EN 500 die 200.000 km erreicht hatte. Aber auf der Autobahn wollte ich nicht anhalten um das Ereignis zu würdigen. Wäre Blödsinn und außerdem zu gefährlich gewesen. Aber es hätte geklappt, denn das Tacho sprang knapp hinter der Ausfahrt Hartenstein auf der A 72 in der Nähe von Chemnitz auf 00.000,0 km um.
  Wir wechselten dann auf die A 4 in Richtung Görlitz. Aber die Fahrerei auf der Autobahn ist nun wirklich nicht das Wahre. Nach Stunden, es war so gegen 16:00 h hatte ich keine Lust mehr auf der Bahn und verließ sie an der Ausfahrt Weißenburg, ca. 25 km vor Görlitz. Lieber etwas länger fahren, aber nicht auf der Bahn. In Weißenburg machten wir dann auch eine kleine Zigarettenpause. Die wurde etwas länger, weil der Popo hatte doch schon einige Falten bekommen. Ich saß schon abfahrbereit auf meinem Bock, da meldete sich mein Handy. Ich nahm es raus und sah auf dem Display, dass Mario mich anrief. „Moment, ich muß zuerst mal meinen Helm abnehmen,“ sagte ich zu Mario. Warum rief er mich an? Guido, sein Bruder hatte den Ausfall seines Regler an der Honda VFR zu beklagen. Was war zu tun? Ich gab das Handy an Jöckel weiter. Der als Kfz-Meister konnte ihm natürlich besser Auskunft geben. Ergebnis, die Drei waren noch in der Gegend von Chemnitz, also gut und gern 200 km hinter uns. Wie die Drei uns später erzählten waren sie in Lugau im Kreis Stollberg, in der Nähe von Chemnitz. Ihnen wurde von jungen Leuten ganz toll geholfen. Neue Batterie kaufen, noch mehr Hilfe beschaffen, alles kein Problem für die Leute.
Wir fuhren dann über Landstraßen weiter nach Görlitz hinein. Hier überquerten wir die Grenze nach Polen über den sogenannten Stadtübergang. Als wir an der Grenze warteten, sah ich, wie eine polnische Zöllnerin ihren deutschen Kollegen anstupste und lächelt auf mich deutet. Sie hatte den Irokesen auf meinem Helm entdeckt. Die Grenzkontrolle verlief mit einem beidseitigem, freundlichen Lächeln und so waren wir jetzt in Polen.
Mein erster Eindruck war nicht so besonders. Häuser in schlechtem Zustand, Straßen ebenso und sehr unsauber. Bewundernde, staunende aber auch verächtliche Blicke der Polen begleiteten unsere Fahrt durch Zgorzelec, wie der polnische Teil Görlitz heißt. Bewundernd und staunend wahrscheinlich wegen der Motorräder, verächtliche Blicke wahrscheinlich wegen meines deutschen Irokesen auf dem Helm. Bei unserer Zigarettenpause einige Kilometer hinter Zgorzelec machte ich den Kopfschmuck ab. Die 70 Kilometer bis Jelenia Gora durch viele kleine Ortschaften verschafften uns einen ersten Eindruck vom ehemaligen Sudeten-Deutschland. Viele kleine Häuschen in bedauernswertem Zustand zeigten uns, dass man hier sehr sehr wenig am Erhalt der Häuser getan hatte.
In Jelenia Gora fand ich dank sehr guter Beschilderung, sofort die Straße nach Karpacz. Kurz vor unserem diesjährigen Urlaubsort stand auf der rechten Seite der Straße ein Pkw mit Hänger und Moped drauf. Und siehe da, es war unser King. Ein Spanngurt war gerissen und er war gerade dabei, seine BMW wieder ordnungsgemäß zu verzurren. Nach ein paar Minuten war das Malheur behoben und er fuhr hinter unserer Gruppe her.
In Karpacz angekommen habe ich mich natürlich zuerst einmal verfahren. Ich war eine Straße zu früh nach links abgebogen, bemerkte das aber relativ schnell und drehte mich. Die ganze Meute hinter mir her. Nur Marlies hatte Schwierigkeiten mit dem Wendemanöver und wäre fast in einem Tümpel gelandet. Ist aber noch mal gut gegangen. Nachdem ich nun die richtige Straße gefunden hatte, half mir im weiteren Verlauf der Straße ein Schild in Richtung „Pod Stokiem“ weiter. Pot Stokiem sollte unsere Unterkunft für die Woche werden. Den Weg wäre ich wahrscheinlich nicht auf Anhieb gefahren. Er war unbefestigt und sehr holprig. Aber dann sah ich unsere Pension und sah auch schon Erwins Anhänger. Gott sei Dank, Ziel erreicht.
Uns wurden sofort die beiden Garagen aufgeschlossen und Erwin und Maeggi stürmten uns zur Begrüßung entgegen. Sie waren, wie in den letzten Jahren auch, mit Auto und Hänger gefahren und hatten unsere Pension als Erste erreicht. Musste ja auch so sein, denn Erwin ist unser Mann für die Unterkünfte. Er buchte die Etablissements und wickelt das ganze finanzielle Drum und Dran ab. Gut dass wir Erwin haben.
Mopeds in die Garage, rauf auf die Terrasse, Bier geordert und einen kräftigen Schluck aus der Pulle genommen. Dann erst kamen die Formalitäten wie Zimmerschlüssel in Empfang nehmen, rauf aufs Zimmer, duschen, umziehen, Klamotten auspacken und wieder runter auf die Terrasse. Hier waren wir nun zum ersten Mal alle zusammen.
Schnell stellte sich heraus, dass die Unterkunft nun nicht so das wirklich Wahre war. Beispielsweise meine Dusche; ich musste die Duschkabinenwand aus der Verankerung heben um sie schließen zu können. Aber genug der Motzerei, es war 19:00 h und es gab Abendessen, gute polnische Küche. Das Essen schmeckte uns allen wirklich gut, nur Jöckel fand das nicht so gut. Vielleicht ist er von seiner Frau Lilo kulinarisch dermaßen verwöhnt ...
 Nach dem Abendbrot zog’s uns ins Städtchen. Jöckel war mit seiner Lilo schon mal hier gewesen und führte uns. Er suchte ein Lokal, fand das dann auch, aber leider war’s geschlossen. Also in das benachbarte Lokal. Das war ein Tanzlokal, wir gingen durch und suchten einen Platz für uns 14 Personen. Die Bedienung zeigte uns, wo wir mit der ganzen Gruppe noch Platz fanden. Die erste Runde Bier wurde geordert. Erwin kam mit der Bemerkung heraus: „Die erste Runde geht auf die Kasse!“ und wurde entsprechend von Jöckel mit einem Trinkspruch gefeiert. Nach einer Weile gesellte sich ein Pole zu uns und laberte Olaf und Guido „eine Kassette ins Ohr“. Schade nur, dass der Typ nur polnisch sprach. Man konnte sich nicht mit ihm verständigen, aber der Typ ließ nicht locker, schrieb Olaf sogar seine Adresse auf. Weit mehr als eine Stunde stand der da rum, ja man konnte wahrlich von Belästigung reden. Der machte überhaupt keine Anstalten zu gehen, er wurde lästig.
Gegen 23:00 h machten wir uns auf den Heimweg. Es reichte auch für heute.
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